Suche
Suche Menü

Familie, Bildung, Sport & Kultur

»Die lebenswerte Stadt« – Bürgerdialog zu Familie, Bildung, Sport & Kultur

Die demographische, soziale und kulturelle Entwicklung unserer Stadt wird in der Familie geprägt. Ob in klassischer Rollenverteilung, in modernen Lebensgemeinschaften oder im Patchwork: Wuppertals Zukunft ist abhängig vom funktionierenden Transfer sozialer und kultureller Werthaltungen. Anders herum brauchen Familien günstige Rahmenbedingungen, um die soziale Nachhaltigkeit sicherzustellen.

Wie schaffen wir Chancengerechtigkeit für Menschen mit Betreuungsaufgaben? Wie sorgen wir für faire Verteilung? Was braucht es, um Job und Familie besser zu vereinbaren? Wie erreichen wir mehr Akzeptanz für Kinder, für Alte und für die, die sich um sie kümmern? Wie fördern wir Entfaltungsräume, Sport- und Bildungsmöglichkeiten und sichern unseren Status als »grünste Stadt Deutschlands«? Ideen sind da, nun sollen sie das Laufen lernen.

Rückschau zur Veranstaltung am 25. März 2015

Mittwoch, 25. März 2015
Tanzhaus Wuppertal
Moderation: Angela Wegener (Radio Wuppertal)

Kurzzusammenfassung der zentralen Aussagen (Plenum & Arbeitsgruppen)

Hinweis: Die Zusammenfassung enthält die Eintragungen mehrerer Personen und stellt nicht zwangsläufig einen Konsens der Anwesenden dar, sondern ist vielmehr eine Dokumentation der Tafelbilder und ein Überblick über die Gruppengespräche.

Kultur

Wuppertal habe eine freie Kunst- und Kulturszene, einen der schönsten Konzertsäle und eines der besten Tanztheater Deutschlands und darüber hinaus. Aber der bisherigen Kulturpolitik und der Verwaltung gebühre keine Ehre. Kultur werde hier nicht als Grundhaltung verstanden, sondern als bloße Verfügbarkeit von Kunst. Es besteht der Gedanke einer gegenseitigen Ergänzung von Wirtschaft und Kultur in Wuppertal und einer Verschränkung der Politikfelder sowie einer Neugestaltung des politischen Kulturbegriffs. Die Teilnehmer/-Innen des Bürgerdialoges wünschen sich mehr Transparenz bei der Kulturförderung, ein gesellschaftskritisches Theater, einfach zugängliche alternative Plätze, einen besseren Zugang für sozial Schwache durch günstige Restkarten, eine Förderung für die freie Szene und eine bessere internationale Kulturanbindung durch Förderung und Wahrnehmung.

Bildung

Der Stellenwert der Familie bei der Bildung sei unermesslich. Ein großer Teil dessen, was einen Menschen ausmacht, würde durch äußere Einflüsse entwickelt. Bildung fände durch die Bezugsgruppe und die Medien statt. Gerade gezielte Bildung durch Schulen, Kindergärten und Jugendprojekte sei in unserer ausdifferenzierten, schwierig überblickbaren Medienlandschaft von höchster Relevanz.

Wuppertal biete ein breites Spektrum von Schulen. Einige Teilnehmer/-Innen des Bürgerdialoges  wollen am dreigliedrigen Schulmodell festhalten und lehnen die Einführung einer Sekundarschule oder Gemeinschaftsschule ab. Wuppertal brauche Hauptschulen, da Gesamtschulen und Sekundarschulen deren spezifischen Förderanforderungen nicht gerecht werden würden. Förderschulen seien unverzichtbar, auch für Kinder ohne Körperbehinderungen. Die Integration von Flüchtlingskindern solle praxisgerecht gestaltet werden: Kinder seien oft traumatisiert und ohne deutsche Sprachkenntnis; die Integration erfordere oft mehr als nur ein paar wenige Monate vorbereitenden Sprachunterricht und dann ihre Integration in eine Seiteneinsteigerklasse.

Die Stadt sei bisher den Schulen gegenüber nicht sehr offen: Daher fordern die Teilnehmer/-Innen eine transparente Entscheidungskommunikation insbesondere bezüglich Standortschließungen, Lehrpersonal und Inklusionsvorgaben. Laut Ulrike Liedtke, Direktorin der Hauptschule Hügelstraße in Oberbarmen, könnten Kinder mit Migrationshintergrund besser integriert werden, wenn sie ausgewogener in der Stadt aufgeteilt werden würden.

Einig stehen die Bürger/-Innen auch für die Förderung des Wissenstransfers unter Schulen, auch um den offenen Ganztag attraktiver und qualitativer zu gestalten.

Die Modernisierung der Lehre und ein direkter Bezug zur Ausbildung, dem Leben, ist manchen Teilnehmer/-Innen wichtig: Ein Brockhaus sei früher für viele unbezahlbar gewesen, genauso wie Fernreisen. Schulbücher, Karten, Abbildungen und Versuche wären oftmals die einzige Möglichkeit gewesen, etwas über Naturwissenschaften und die Welt zu erfahren. Heute seien Wissensdetails im Internet über Text, Bilder und Videos für viele leicht erreichbar. Auf der anderen Seite entstünden neue Wissensdefizite im Bereich Erziehung, Ernährung und Sozialverhalten dadurch, dass es sozialisierende Lerneffekte durch Großfamilien und intakte Nachbarschaften vielfach nicht mehr gebe.

Familie & Soziales

Die Erweiterung und Würdigung des Familienbegriffes für andere Lebensformen und -entwürfe – z. B. gleichgeschlechtliche Beziehungen oder Elternpflege – liegt den Bürger/-Innen sehr am Herzen. Familienzentren als Navigations- und Lotsenpunkt für Familien, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch Flexibilisierung der Arbeitgeber und Kinderbetreuung sowie ihre Ausweitung (Fremdbetreuung, U3, etc.) sind zentrale Anliegen der Fokusgruppe.

Sport

Peter Vorsteher, der Vorsitzende des Sportausschusses im Stadtrat: „Wuppertal steht gar nicht so schlecht da, wir sind eine Stadt ohne Sportstättennutzungsgebühr und eine große Infrastruktur: Die Uni-Halle, 12 Dreifachsporthallen, 85 kleine Turnhallen und diverse Verbandshallen wie vom SV Bayer. Das Wuppertaler Stadion ist in einem guten Zustand, und es gibt viele Ballsportplätze. Leider mussten einige Hallenbäder geschlossen werden, dafür existieren 5 sanierte Bäder wie die Schwimmoper. Die Freibäder müssen saniert werden, es existiert ein großer Investitionsstau. Die Downhill-Strecke und weitere, inoffizielle Strecken bieten ein umfangreiches Angebot für Mountainbiker. Viele weitere Nischensportarten werden abgedeckt.“ Aber wir müssten uns Gedanken machen, die zu erreichen, die in dieser Stadt noch keinen Sport machen. Auch die Zusammenarbeit mit lokalen Vereinen sei zu verbessern.

Angeregt wurden die Verlängerung der Öffnungszeiten der Bäder, ein Trimm-Dich-Pfad für Jung und Alt, ein Fahrradverleihsystem sowie bergische Zusammenschlüsse, auch im Profifußball. Außerdem stünde eine Katalogisierung und Förderung unabhängiger Sportfreizeitgruppen („Ballsportgruppe Jedermann“) an.

Der Arbeitsgruppenkonsens: Vereinsunabhängige Sportangebote, wechselndes Sportangebot und Schnuppern für Kinder und Erwachsene, Sport und Freizeitgruppen. Die Menschen wollten mehr machen, bestehende Hallenzeiten seien aber durch Schulen und Sportvereine besetzt, daher müsse die Angebotsseite verstärkt werden.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.